Hundetrainer über Ausstrahlung und Charakter — Welche Vierbeiner passen zu Maly, Wöhrl und Söder?
„Zwei Jahre später war er ein neuer Hund“: Marcel Combé mit Rottweiler Morpheus und Schäferhündin Hexe.
Foto: Daut
Wie denkt ein Fahrradkurier übers Trödeln? Oder: Was hält ein Architekt von Kitsch? Jeden Samstag steht im Lokalteil ein Nürnberger Rede und Antwort zu einem Thema, das man auf den ersten Blick nicht mit ihm verbindet. Heute im Gespräch: Marcel Combé (45), Hundetrainer im Tierheim und Herrchen von Hexe, einer Schäferhündin, und dem Rottweiler Morpheus, über Ausstrahlung.
Sieht man einem Hund seinen Charakter an?
Marcel Combé: Ja, und da spielt seine Rasse und das, was Menschen glauben, darüber zu wissen, nur bedingt eine Rolle. So gibt es Rottweiler, die ihren Schwanz einziehen, wenn es an der Tür klingelt.
Wie viel davon ist anerzogen und was ist genetisch festgelegt?
Combé: Rassetypisch sind meiner Meinung nach lediglich 20 Prozent. Den größeren Teil machen der Charakter des Tieres und die Eigenschaften, die der Mensch anerzogen hat, aus.
Gibt es von Natur aus böse Beißer?
Combé: In der Regel nicht. Entweder werden die Tiere dazu gemacht oder durch unser Verhalten animiert, […] diesen Jagdtrieb. Es gibt aber absolute Ausnahmen, bei denen durch Aggressionszuchten kranke Tiere herauskommen. Ich bin mal von einem Hund komplett zusammengebissen worden, der danach von einer auf die andere Minute wieder friedlich war.
Strahlt ein mieser Charakter vom Menschen auf den Hund aus?
Combé: Der Charakter nicht, aber sein Verhalten und sein Umgang mit anderen Menschen. Wenn jemand aggressiv durch die Gegend läuft, wird der Hund das Verhalten seines Herrchen nachahmen.
Kann man jeden Rabauken auf vier Pfoten zähmen?
Combé: Das funktioniert nicht immer. Aber über 90 Prozent der Hunde, die hier im Tierheim als unerziehbar und bissig abgegeben werden, kriegen wir wieder hin.
Ein friedlicher, aber großer Schäferhund wirkt gefährlich, ein kleiner, aber kläffender Terrier dagegen süß. Falsche Wahrnehmung?
Combé: Ja, in allen klassischen Terriern steckt ein Killer. Sie wurden gezüchtet, um Schädlinge wie Ratten […] Aufgrund ihrer Körpergröße und ihrer goldigen Erscheinung werden sie oft mehr verzogen als erzogen. Das Fatale ist, dass wir uns die Tiere nach Farbe und Niedlichkeit aussuchen – und zu wenig auf ihre Bedürfnisse achten.
Kann sich ein sogenannter Kampfhund lammfromm zeigen?
Combé: Natürlich, diese Tiere sind nicht von Haus aus schlecht, sie brauchen nur das richtige Herrchen. Ich verbringe viel Zeit mit Hunden, die eingeschläfert werden sollen, um zu schauen, ob sie wirklich solche Monster sind. Ich nehme nur „Abfall“ mit nach Hause, so bin ich auch zu meinem Morpheus gekommen. Er saß als Todeskandidat hier, weil er zugebissen hat.
Wie ging es weiter?
Combé: Er war ein großer, aber unsicherer Clown, der vom Charakter den denkbar schlechtesten Menschen abbekommen hatte. Sein Blick, seine Körperhaltung hinterfragten ständig: Mache ich auch alles richtig? Zwei Jahre später, nachdem ich ihn in meinem Rudel integriert hatte, war er ein neuer Hund, den ich mit in die Schule […] weiß, ich bin sein Anführer, er muss keine Entscheidung treffen und kann sich hinter meinem Rücken alles in Ruhe anschauen. Doch Hierarchie hat nichts mit Diktatur zu tun, das vergessen viele Hundebesitzer.
Ihre Erziehungstipps?
Combé: Ruhe und Souveränität sind das Wichtigste bei der Hundeerziehung, um Vertrauen in den Leithammel zu schaffen. Nicht Geschrei und irgendwelche Leckerlis, man will doch nicht als laufender Futtersack wahrgenommen werden. Hunde brauchen permanent eine klare Ansage.
Was unterscheidet Mensch und Hund?
Combé: Hunde sind nicht so grausam wie wir. Sie jagen, weil sie ihren Raubtierinstinkten folgen. Menschen quälen aus Spaß, da haben wir hier schon viel erlebt. Welpen werden grün und blau geschlagen, weil sie den ganzen Tag allein in der Wohnung auf den Boden gepinkelt haben. Ich spreche von Hunden, die ihr Leben im Zwinger oder an der Kette verbringen, die schon in den Hals eingewachsen ist. Dabei brauchen sie Artgenossen und Familienanschluss.
Wie der Herr, so’s Gscherr – stimmt es, dass sich Hund und Herrchen immer ähnlicher werden?
Combé: Ja, sie gleichen sich immer mehr an – besonders körperlich, beim Gesichtsausdruck und Verhalten. Wenn man nervös und unsicher ist, überträgt sich das auf das Tier. Oder jemand, der gern und viel nascht, hat meist einen pummeligen Hund.
Zu guter Letzt: Welche Vierbeiner passen zu Ulrich Maly, Dagmar Wöhrl und Markus Söder?
Combé: Zu Maly passt ein Windhund. Diese Tiere laufen gern und viel, sind gediegen und einfach nett – wie unser OB. Die Hunde von Dagmar Wöhrl, drei Australian Shepherds, halten die Herde zusammen und stehen stets unter Strom – also ganz das Frauchen. Vom Äußeren her wäre jedoch ein Langhaarcollie der ideale Vierbeiner für sie: Elegant, mit aufgeplüschtem Fell – diese Hunde wissen, dass sie schön sind.
Markus Söder hat einen Labrador.
Combé: Rein optisch passen er und sein Vierbeiner perfekt zusammen. Frei nach dem Bärchenprinzip: groß, breit und stark, aber nicht ganz so sportlich. Mit Blick auf den Charakter – hartnäckig und anpassungsfähig – wäre ein Mischling sein idealer Gefährte: der fränkische Wadenbeißer. Mit Betonung auf fränkisch, da er sich für die Einheimischen durchbeißt.
Interview: Claudia Beyer
