Ein Hund hat schnell mal zugeschnappt
Seit zwei Jahren bietet das Tierheim in Erlenstegen eine Schulung für seine Gassigeher an – Nächster Kurs läuft im September
Was tun, wenn zwei Hunde sich verbeißen? Oder der Vierbeiner ständig an der Leine zerrt? Seit zwei Jahren bietet das Nürnberger Tierheim in Erlenstegen einen Gassigeher-Kurs an.
„Wir wollen uns irgendwann auch einen Hund zulegen und am Wochenende etwas Gutes tun, deswegen sind wir hier“, erzählen Jörn und Katie Wendelken. Trotz Temperaturen von über 30 Grad sind an diesem Samstag 29 Personen zum Gassigeher-Kurs des Tierheims erschienen. Sie stehen im Halbkreis um Hundetrainer Marcel Combé, der ihnen mit seinem Schäferhund Aramis eine Lektion in puncto Körpersprache des Hundes erteilt.
„Früher wurden die Hunde den Leuten nahezu willkürlich in die Hand gedrückt“, erinnert sich Combé. Es kam wiederholt zu Zwischenfällen wie Raufereien unter den Hunden, aber auch die Zahl der Bissverletzungen bei Tier und Mensch nahm zu, fährt er fort. Der damalige Tierheimchef Denny Baruch ging vor zwei Jahren schließlich auf den Hundetrainer zu und fragte ihn, ob er die Leute schulen konnte – und so war die Idee des Gassigeher-Kurses geboren. Inzwischen bieten auch andere Einrichtungen wie etwa das Feuchter Tierheim eine solche Schulung an.
Ein Erfolgsmodell – davon ist Combé überzeugt. Seit Einführung des Kurses sei nichts Ernsthafteres mehr passiert, berichtet der 46-Jährige. „Die Leute sind diszipliniert, sie kennen die Regeln – und brauchen sie auch.“ Immerhin durchlaufen rund 1200 Hunde im Laufe eines Jahres die Einrichtung in der Stadenstraße 90.
Die wichtigsten Regeln: Keine Leckerlis, „wir wollen unsere Hunde nicht verzuckern und aggressives Verhalten wie das Verteidigen des Futters vermeiden“, erklärt der Hundetrainer. Kein Spielzeug, da Quietschtiere den Beutetrieb der Tiere fördern. Auch soll der Gassigeher seinen Schützling nicht von der Leine lassen oder an ihm rumerziehen. „Das machen wir schon im Tierheim“, unterstreicht er. „Das Spazierengehen soll einfach nur Spaß machen – sowohl dem Hund wie auch dem Menschen.“
Menschliche Dummheit
Ferner warnt er davor, „an dem Tier rumzufummeln, denn ein Hundebiss ist schnell geschehen“. Und ergänzt: „98 Prozent der Hundebisse passieren aufgrund menschlicher Dummheit.“
Dann betritt Morpheus das Freigelände. Der 13-jährige Rottweiler erntet respektvolle Blicke und Combé nutzt die Gelegenheit, um die „Mär vom Kampfhund“ zu erzählen. Auf Nachfrage einer Zuhörerin bestätigt er, dass man grundsätzlich auch mit einem Kampfhund Gassi gehen könne, „aber letzten Endes entscheidet bei der Tiervergabe immer der Pfleger“.
Mit den Worten „das ist ein Kotbeutel“ holt er eine Plastiktüte aus seiner Hosentasche und demonstriert die Handhabung. Überall auf dem Gelände des Tierheims stehen Abfallbehälter. Diesbezüglich habe es bislang keine Probleme gegeben, winkt Combé ab. Auch wenn es immer mal wieder vorkommt, dass Leute, die sich nicht an die Regeln halten, ausgeschlossen werden. Die häufigsten Verstöße seien die Missachtung des Leckerliverbots und der Leinenpflicht.
Dann übernimmt Rolf Hütgens, er erklärt die Abläufe und führt die Besucher durchs Tierheim. Beide Männer sind von Anfang mit dabei und bieten die Schulung ehrenamtlich an mit dem Ziel, auf das Verhalten der Gassigeher einzuwirken und das Ansehen der Tierheimhunde zu stärken.
Die Einrichtung blickt derzeit auf 70 Hunde und rund 120 aktive Gassigeher, darunter 40 Männer und Frauen, die regelmäßig kommen. Die Schulung sowie aus Versicherungsgründen die Mitgliedschaft im Tierschutzverein sind dafür Voraussetzungen.
Als neues Projekt unter dem Titel „Spazierengehen mit Handicap“ soll im Rahmen des Gassigeher-Kurses das Angebot für Menschen im Rollstuhl ausgeweitet werden. Sie profitieren ergänzend von einer speziellen Einweisung.
