Wenn Bello nicht mag, wie er soll, dann soll es oft ein Leckerli richten. Aber ist das eigentlich eine gute Idee? Wie sollte ich mich einem Hund gegenüber verhalten? Was soll ich tun und was bitte nicht? Hundetrainer Marcel Combé, der viele Jahre im Nürnberger Tierheim vor allem für die „schweren Fälle“ zuständig war und aus dem Fernsehen als Hundetrainer bekannt ist, gibt Auskunft.
Sind Leckerlis eine gute Idee?
Darauf sage ich ganz klar Jein. Um einem Hund Tricks beizubringen, ist es eine super Sache. So wie man’s im Zirkus auch macht. In der Hundeschule heißt es deshalb auch oft, der Hund soll hungrig zum Training kommen, damit er dann gut mitmacht. Das sieht da dann auch gut aus, aber in der Realität funktioniert es oft nicht so gut. Vor allem, wenn ein Sexualreiz oder ein Jagdreiz im Spiel ist. Da stehe ich mit meinem Leckerli dann schön da. Grundsätzlich ist es so, dass in der Natur jemand, der Futter teilt, ein Loser ist und kein Anführer. Hunde leben in hierarchischen Strukturen. Wir hätten es gerne demokratisch, aber so funktioniert die Natur nicht. Mal ein Gutzi zu geben, ist schon in Ordnung, aber wir müssen aufpassen, dass uns der Hund nicht nur für einen laufenden Futtersack oder Streichelautomat hält. Es kommt auch auf den Typ an: Bei sehr angepassten Hunden kann man mit Futter viel erreichen, aber die Hunde-Rabauken nehmen uns dann nicht mehr ernst.
Apropos ernst nehmen: Wie mache ich dem Hund klar, dass ich der Chef oder die Chefin bin? Wie sollte ich mich verhalten?
Freundlich, liebevoll aber bestimmend. Ich gebe den Ton an: Hier wird gelaufen. Nicht laut oder brutal, aber bestimmend. Das geht nonverbal mit Körpersprache und ist sehr individuell. Denn wie bei uns Menschen gibt es bei Hunden auch unterschiedliche Typen: starke, schwache, dumme, schlaue. Manchen muss man intensiv in die Augen schauen und sich breit machen. Für all diese Fragen ist es wichtig, eine gute Hundeschule zu besuchen, die individuell darauf eingeht.
Was halten Sie von Spielzeug?
Grundsätzlich ist Spiel Training für den Kampf und nichts anderes. Hände weg von Quietsch-Spielzeug. Denn das kann Nachbars Meerschwein oder am Ende sogar ein Kind töten. Denn es bringt dem Hund das Jagen bei. Er lernt etwas zu jagen, das quietscht und oft auch noch ein Fell, eine Nase und Augen hat. Und dann jagt er draußen alles das, was er nicht jagen soll, aber was genauso aussieht: Igel, Meerschweinchen oder Kaninchen.
Interview: Anette Röckl
