NÜRNBERG. Aggressives Gebelle, Beiß-Attacken, zugekotete Bürgersteige: Nicht alle Herrchen und Frauchen kommen ihrer Fürsorgepflicht nach. Nürnbergs bester Hunde-Trainer fordert nun den Führerschein für Hundehalter!
Die Hundeschule am Tierheim. Es ist ein schöner, warmer Sommertag. Kläffend tollen die Vierbeiner durchs Gelände. Nur Morpheus, Max und Hexe liegen ruhig an der Seite. Sie gehören Hundecoach Marcel Combé (45). „Ich habe schon immer gut mit Tieren gekonnt“, erzählt Combé, der eigentlich gelernter Kaufmann ist.
In seinem Gürtel steckt nützliches Equipment: Taschenlampe, Tüte für Kot, Kette, Leine, Metallhebel, falls sich mal ein Vierbeiner verbeißt. „Hunde sind wie kleine Kinder. Die darf man nicht verhätscheln. Die brauchen Regeln“, stellt Combé klar. Und weiter: „Die meisten Leute haben keine Ahnung von Hunden.“
Doch wie erzieht man einen Hund? Laut Combé genügen Ruhe, Souveränität und gesunder Menschenverstand. Man muss ein echtes Leittier sein und dem Hund immer klarmachen, wer das Sagen hat.
In seinen Kursen, die Combé regelmäßig als ehrenamtlicher Hundetrainer fürs Tierheim anbietet, versucht er das den Haltern immer wieder zu verdeutlichen. Combé hat auch schon Diensthunde von Zoll und Polizei ausgebildet. Und Therapien für Problemhunde und „Beißer“ entwickelt. Ideal: Die Hundeschule darf auch den Polizei-Parcours nutzen. Dort gibt’s 15 Stationen von Hängebrücken bis hin zu Gitter-Hindernissen.
„Wichtig ist, dass Hunde ausgelastet sind!“, so Combé. Heißt konkret: Bewegung und geistige Auslastung. Falsch: Apportieren lassen! Das fördere nur den Jagd-Instinkt. Richtig: eine Fährte legen, etwa mit kleinen Leckerli. Und den Wuffi seinen Ball suchen lassen. Noch einfacher: Eine Wurst an eine Schnur binden und 50 Meter weit ziehen.
Der Hund soll dann die Spur erschnüffeln. Belohnung: das Würstel! „Wir erziehen den Hund hier schrittweise zum Familien-Kommissar-Rex.“
Größte Gefahr: Spielzeug. „Damit trainiert man Jagen und Töten. Kein Wunder, dass Kinder im Gesicht gebissen werden“, warnt Combé. Der Hund verwechsle Schreie des Kindes mit dem Quietschen des Spielzeugs.
So geht’s richtig
Das empfiehlt der Hundefachmann Herrchen und Frauchen:
Eine Leine ist nur da, wo vorgeschrieben, nötig! Wenn der Hund brav folgt, etwa im Wald, kann man die Leine auch ablegen.
Den Hund sein Geschäft nicht auf landwirtschaftlich genutzte Wiesen machen lassen, weil sonst die Kühe dort nicht mehr grasen.
Den Hund nicht alleine im Wald herumstreunern lassen.
Der Vierbeiner sollte keine Rehe oder Kitze aufscheuchen. Wildern ist verboten!
Auf Spielplätzen haben Hunde rein gar nichts verloren!
Wer einen der rund 70 herrenlosen Hunde des Tierheims Nürnberg als Gassigeher betreuen möchte oder sich über die Angebote der Hundeschule informieren will, kann sich ans Tierheim Nürnberg unter der Nummer 0911/919890 wenden.
