Wie Hundehalter Ärger vermeiden
Mehr Verständnis zwischen Hundehaltern und Zweibeinern ohne Hund verspricht sich der Tierschutzverein Nürnberg von einem Modellversuch. Beim „Nürnberger Modell“ sitzen die Beteiligten zusammen mit Fachleuten in einem Workshop und versetzen sich in die Situation des anderen. Dazu kommen Vorträge über Hundeerziehung, erste Hilfe und sogenannte Problemhunde. Die erste Runde fand am Samstag statt.
Alexandra Lechner kann den Ärger über stinkende Hinterlassenschaften auf öffentlichen Wiesen gut verstehen. Wenn sie mit ihrem Rottweiler-Mischling „Dicker“ rausgeht, dann sieht sie auch, wie ängstlich manche Mitmenschen auf große Hunde reagieren. „Bei manchen wundere ich mich aber schon, wie nahe sie an den fremden Hund herangehen, obwohl ich versuche, zwischen meinem Hund und den anderen Spaziergängern zu bleiben.“ Sie wünscht sich mehr Verständnis füreinander und will wissen, was Zweibeiner ohne Hund ärgert oder Angst macht.
Vor allem gibt es immer wieder Ärger mit den Häufchen, die die Hunde hinterlassen. Rudolf Kuhlmann von der Stadt Nürnberg berichtet von den guten Erfahrungen, die seit Einführung der Tütchenpflicht bestehen.
Allerdings kennt er auch Fälle, in denen sich Anwohner am Marienberg ärgern, wenn Hundehalter die Tütchen in die privaten Mülltonnen entsorgen. „Notfalls muss man das Tütchen eben nach Hause mitnehmen.“ 12.500 Hunde leben in der Stadt, Tendenz steigend. „Die Hundehalter sollten akzeptieren, dass Hundekot ein Ärgernis ist, wenn alle paar Meter ein Haufen liegt. Schließlich wollen andere ihre Kinder auch freilaufen lassen.“
Dabei setzt die Stadt mehr auf Aufklärung und Einsicht als auf Bußgelder. Die anwesenden Hundehalter wollen andere Hundefreunde hier mehr sensibilisieren und auch ansprechen, wenn es mit dem Tütchen nicht so recht klappen will.
Der Spruch „der will doch nur spielen“ oder „mein Hund tut nichts“ bringt oft erst Zunder ins Treffen zwischen Hundefreund und Spaziergänger. „Wir wollen an die Verantwortung der Hundehalter appellieren“, betont Danny Baruch, der Initiator der Runde.
Hundetrainer Marcel Combé, selbst Halter von zwei stämmigen Rottweilern und einem Schäferhund, beschreibt die Wirkung, wenn er mit seinem Trio ohne Leine unterwegs ist. „Da spüre ich schon, wie sich die Leute entspannen, wenn ich freundlich grüße und meine Hunde gehorchen.“
Erziehung und gutes Benehmen auch der Hunde von Anfang an, nicht nur auf dem Hundeplatz, predigt er. „Dominanz und Hierarchie heißt nicht Gewalt und Aggression, aber der Hund muss wissen, wo sein Platz im Rudel ist.“
Nicht zu verwechseln mit Dressur durch Leckerli. Combé entlarvt das „Verteidigen“ von Herrchen dann einfach als Verteidigung des Futtersacks. „Ein Chef im Rudel teilt kein Futter, das ist Zeichen von Schwäche.“
Genauso kritisch sieht er quietschendes Spielzeug. „Woher soll der Hund wissen, dass er das Quietschspielzeug zwar fangen und beißen darf, bis Ruhe ist, aber dass es bei einem kleinen Igel anders sein soll – den beißt er dann eben auch, bis Ruhe ist.“
Beim Thema Freilaufen erzählt er von Rehkitzen, die oft knapp neben den Waldwegen liegen. „Wenn da ein Hund gestöbert hat, dann geht die Mutter nicht mehr hin und für das Kitz bedeutet das das Ende.“
