05.11.2007

Nürnberger Nachrichten

Hund als Freund

Das Tierheim will mit neuen Workshops für mehr Verständnis zwischen Hundehaltern und Menschen ohne Vierbeiner sorgen. Die Aktion trägt den Titel „Nürnberger Modell – Der Hund als Partner“. Tiertrainer Marcel Combé liegt am Herzen, dass sie gewisse Pflichten haben. Und Menschen mit Angst vorm Hund möchte er diese gerne nehmen.

Aufklärung für Hundehalter

Trainer M. Combé über eine Vortragsreihe des Tierheims

Bekanntlich geht es nicht immer freundlich und tolerant zu zwischen Hundebesitzern und Menschen ohne Vierbeiner. Das Tierheim will mit Workshops für Hundehalter seinen Beitrag leisten für ein friedlicheres Miteinander. Unterstützt wird das Projekt von Hundetrainer Marcel Combé.

Herr Combé, Sie arbeiten seit 2002 für den Nürnberger Tierschutzverein. Sie erziehen Hunde, die verkorkst ins Tierheim kommen, üben aber auch mit Menschen, die sich einen Hund aus dem Heim holen, den richtigen Umgang. Worum geht es mit der neuen Workshop-Reihe?

Marcel Combé: Tierheimleiter Denny Baruch und mir ist wichtig, dass Hundehalter und Menschen ohne Vierbeiner friedlich zusammen leben. Wir möchten Vorurteile gegenüber Hundebesitzern abbauen. Diesen muss aber auch klar sein, dass sie Verantwortung haben. Ich habe selber Kinder und reagiere empfindlich, wenn Hundebesitzer ihre Vierbeiner nicht unter Kontrolle haben.

Sie nennen ihre Veranstaltungen, die alle zwei Monate stattfinden sollen, „Nürnberger Modell“. Das klingt nach großem Anspruch.

Combé: Wir sind froh, dass uns die Stadt unterstützt. Zu unserem ersten Workshop am vergangenen Wochenende kam der Leiter des Gartenbauamts, um sich die Sorgen der Hundehalter anzuhören. Aber auch um klar zu machen, welche Auflagen es für Hundebesitzer gibt und warum die wichtig sind. Auch Bürgermeister Klemens Gsell, der ja für die Tütenpflicht viel Prügel einstecken musste, schaute vorbei.

Bekommt die Stadt ohne Ihre Hilfe etwa den Konflikt zwischen Tierfreunden und anderen, die über Hundehaufen und freilaufende Exemplare schimpfen, nicht in den Griff?

Combé: So ist das sicher nicht. Aber ich kann den Hundehaltern anders beibringen, dass sie ihren Vierbeiner nicht überall hinmachen lassen, als das die Ordnungsbehörden können. Wir wollen schließlich nicht strafen, sondern aufklären.

Was sollen Themen der Workshops sein?

Combé: Am vergangenen Wochenende habe ich darüber gesprochen, wie sich Beißereien vermeiden lassen. Tierarzt Dr. Wolfgang Kaspar sprach über erste Hilfe am Hund, und ein Anwalt informierte über Haftungsfragen. Ich möchte aber auch mal einen Jäger einladen, der darüber spricht, was er sich von Hundebesitzern wünscht.

Können die Workshops denn ein Ersatz für den von vielen geforderten Hundeführerschein sein?

Combé: Der Hundeführerschein ist etwas ganz anderes. Abgesehen davon, dass den fast nur Leute machen, die in einem Hundeverein sind, geht es uns nicht um Dressur und Drill, sondern um Aufklärung.

Das Tierheim engagiert sich nicht nur mit den Workshops präventiv. Sie planen auch eine Tierfutter-Tafel.

Combé: Stimmt. Ab Dezember können bedürftige Menschen ein Mal pro Woche im Tierheim kostenloses Tierfutter abholen. Damit soll verhindert werden, dass immer mehr Menschen Hund oder Katze aus Geldmangel abgeben. Das passiert nämlich schon jetzt viel zu oft.

Interview: Ute Möller

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